Alltagstest Yamaha Ténéré 700 Low: Wie viel Unterschied machen 15 Millimeter?
Die Yamaha Ténéré 700 gehört seit Jahren zu den beliebtesten Adventure-Bikes – geschätzt für ihre Vielseitigkeit zwischen Fernreise, Offroad-Einsatz und täglichem Pendeln. Doch wie schlägt sich die abgesenkte Version im echten Alltag? Der Praxistest der Ténéré 700 Low (Modelljahr 2025) zeigt, was die um 15 Millimeter reduzierte Sitzhöhe tatsächlich bringt.

Quelle:Yamaha Europe
Tiefergelegt durch kürzeren Federweg
Der zentrale Unterschied zur Standardversion liegt in der Sitzhöhe: 860 mm statt 875 mm. Erreicht wird das nicht über eine andere Sitzbank, sondern über verkürzte Federwege – vorne 190 mm statt 210 mm, hinten 180 mm statt 200 mm. Im Gelände fällt das nur gelegentlich auf und bleibt insgesamt moderat. Für weniger erfahrene Fahrer oder kleinere Personen kann die niedrigere Sitzposition jedoch ein klarer Vorteil sein, da sie im Stand mehr Sicherheit bietet. Gleichzeitig bleibt die Maschine auch auf schwierigem Untergrund wie Schlamm oder Sand gut kontrollierbar.
Bekannter CP2-Motor als Herzstück
Angetrieben wird die Ténéré 700 Low vom bewährten 689-ccm-Zweizylinder mit 73 PS bei 9.000 U/min und 68 Nm bei 6.500 U/min. Der Motor mit 270°-Hubzapfenversatz vermittelt ein V2-ähnliches Fahrgefühl und überzeugt durch seine kräftige, gut dosierbare Leistungsentfaltung. Er bleibt eines der stärksten Argumente für dieses Modell.
Alltagstauglich im Stadtverkehr
Im urbanen Umfeld spielt das Fahrwerk seine Stärken aus. Unebenheiten wie Kopfsteinpflaster, Baustellen oder Bodenwellen werden souverän geschluckt. Das große 21-Zoll-Vorderrad hilft beim Überrollen von Hindernissen, während die aufrechte Sitzposition für gute Übersicht sorgt.
Auch auf Pendelstrecken zeigt sich die Ténéré agil und unkompliziert. Selbst bei gemischten Strecken mit Stadt, Landstraße und Autobahn bleibt sie leicht beherrschbar. Die Konstruktion verhindert ein starkes Einsinken des Hecks beim Beschleunigen, was besonders in Kurven und dichtem Verkehr für Stabilität sorgt. Trotz ihres Offroad-Charakters bleibt der Komfort im Alltag erhalten.

Quelle:Yamaha Europe
Ergonomie, Sozius und Gepäck
Die Sitzposition ist aktiv und langstreckentauglich. Größere Fahrer finden ausreichend Platz, während die niedrigere Sitzhöhe kleineren Fahrern das Handling erleichtert. Im Soziusbetrieb zeigt sich die Maschine ebenfalls solide, auch wenn das Auf- und Absteigen mit montierten Koffern etwas umständlich sein kann.
Die optionalen Koffer bieten genügend Stauraum für Alltag und Reise. Der 16-Liter-Tank ermöglicht ordentliche Reichweiten, auch wenn bei hohem Autobahntempo (150–160 km/h) der Verbrauch spürbar steigt und Tankstopps nach rund 200 Kilometern notwendig werden. Praktische Details wie große Fußrasten, ein gut erreichbarer Ladeanschluss und ein leicht bedienbarer ABS-Schalter erhöhen den Nutzwert zusätzlich.

Quelle:Yamaha Europe
Souverän auf kurvigen Straßen
Auf Landstraßen überzeugt die Ténéré 700 Low mit stabilem Fahrverhalten und gutem Feedback vom Vorderrad. Das ab 2025 voll einstellbare Fahrwerk erlaubt eine individuelle Anpassung und sorgt für zusätzliche Kontrolle. Optisch bleibt sie ihrem robusten Enduro-Look treu.
Ein besonderes Highlight ist die Lichtanlage: Der vierteilige Frontscheinwerfer liefert eine starke Ausleuchtung und sorgt bei Nachtfahrten für ein hohes Sicherheitsgefühl.
Vielseitigkeit als große Stärke
Mit 208 kg fahrbereit lässt sich die Ténéré 700 Low gut handhaben, auch beim Rangieren. Die Zuladung von 186 kg bietet ausreichend Reserven für Gepäck und Mitfahrer. Schutz bieten zudem die serienmäßigen Handprotektoren, die gerade bei kühleren Temperaturen angenehm sind.
Fazit
Die Yamaha Ténéré 700 Low erweist sich als durchdachtes Allround-Motorrad für Alltag, Reise und gelegentliche Offroad-Abenteuer. Die geringere Sitzhöhe verbessert die Zugänglichkeit, ohne die Stärken der Standardversion wesentlich einzuschränken. Mit einem Preis von 11.699 € (Stand April 2026) bleibt das Gesamtpaket attraktiv – auch wenn steigende Preise im Wettbewerbsumfeld kritisch beobachtet werden sollten. Der bewährte Zweizylindermotor rundet das Gesamtbild ab und gehört weiterhin zu den besten seiner Klasse.
Quelle:Motorrad und Reisen | Miles Hentschel




