Motorradlärm – Heftige Diskussionen um Fahrverbote

Die Debatte zu Fahrverboten aufgrund lärmender Motorräder ist nach wie vor im Gange. Die meisten Brancheninsider sehen kollektive Fahrverbote für Biker als diskriminierend. Es braucht dringend andere Lösungen, um das Lärmproblem in den Griff zu bekommen.

Diskriminierende Fahrverbote

Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer findet dazu klare Worte: „Wer nicht über Sportwagen und Quads redet, gleichzeitig aber Motorradfahrer an Wochenenden und Feiertagen auf bestimmten Strecken aussperren will, diskriminiert vier Millionen Menschen.“ Der Ärger der Anwohner über den Lärm sei zwar verständlich, alle Motorradfahrer pauschal zu bestrafen aber dennoch keine Lösung.

Auch die Biker Union sieht die Sache ähnlich und spricht von einer Hexenjagd auf Motorradfahrer. Es gäbe auch getunte PKWs und andere lästige Lärmquellen. Sperren ausschließlich für Biker zu verhängen, verstößt nach Ansicht von Rolf Frieling, Vorsitzender der Biker Union, gegen den Gleichheitsgrundsatz. Der Verein kooperiert schon seit Jahren mit verschiedenen Gemeinden, um eine Lösung für das Lärmproblem zu finden.
Der ADAC sieht Kollektivstrafen ebenfalls als unangemessen. Stattdessen sollten vermehrt Polizeikontrollen durchgeführt und Lärmdisplays eingeführt werden.

Forderung nach leiseren Motorrädern

Der BVDM (Bundesverband der Motorradfahrer) hat sich Anfang Juni in einem offenen Brief an die Motorradindustrie gewandt. Er fordert die Branche darin auf, freiwillig Motorräder herzustellen, die sozialverträglich leise sind. Zusätzlich könnten Nachrüstlösungen entwickelt werden, die den Lärmpegel verringern und mit den meistverkauften Motorrädern kompatibel sind.

Achim Marten, Sprecher des IVM (Industrieverband Motorrad), sieht die Hauptverantwortung aber bei den Fahrern. Er appelliert an die Biker-Community, leiser und rücksichtsvoller zu fahren. So wären auch keine technischen Veränderungen an den Maschinen notwendig.

Geräuschpegelsenkung technisch begrenzt

Das von vielen Seiten geforderte Limit von 80 Dezibel ist technisch ohnehin kaum umzusetzen. Auch bei modernen Maschinen, die deutlich leiser als ältere Fahrzeuge sind, kann dieser Wert in bestimmten Situationen überschritten werden. Denn im Gegensatz zum PKW gibt es bei Motorrädern einfach bauartbedingte Grenzen. Ein gesetzliches Geräuschlimit von 80 Dezibel wäre würde somit eigentlich das Ende des Motorrads mit Verbrennungsmotor bedeuten.

Fazit

Die Beschwerden der Anwohner aufgrund des Lärms sind berechtigt und müssen ernst genommen werden. Dennoch ist es der falsche Weg, alle Motorradfahrer pauschal zu bestrafen. Es müssen andere Lösungen gefunden werden, wie beispielsweise verstärkte Kontrollen, Lärmdisplays und der Einsatz von leiseren Motoren. Der Appell gilt dabei vor allem den Fahrern. Rücksichtsloses Fahren mit hohen Drehzahlen und unnötiger Lärmerzeugung schadet der gesamten Biker Community und sollte definitiv vermieden werden.