Andrea Locatelli über die Yamaha R1

Großartig, aber in die Jahre gekommen

Die Superbike-WM 2026 verläuft für Andrea Locatelli bislang enttäuschend. Der Yamaha-Werksfahrer wartet noch immer auf seinen ersten Podestplatz der Saison. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass auch die Yamaha R1, die bereits seit 2016 im Einsatz ist, technisch in die Jahre gekommen ist.

Yamaha hinkt der Konkurrenz hinterher

In der Herstellerwertung der Superbike-WM 2026 liegt Yamaha aktuell auf dem vierten Platz von sechs Herstellern. Besonders auffällig ist jedoch der Vergleich mit Kawasaki: Garrett Gerloff hat mit der einzigen eingesetzten ZX-10RR bislang 110 WM-Punkte gesammelt. Die sechs Yamaha-Piloten, darunter vier Werksfahrer, kommen gemeinsam lediglich auf 131 Punkte.
Bester Yamaha-Fahrer ist Andrea Locatelli. Der Italiener liegt vier Rennwochenenden vor Saisonende mit 88 Punkten auf Rang elf der Gesamtwertung. Dass die R1 gegenüber den moderneren Motorrädern der Konkurrenz an Boden verloren hat, spricht Locatelli inzwischen offen an.

Andrea Locatelli über die Yamaha R1

Bildquelle:Yamaha-Racing.com

„Die Yamaha ist ein großartiges Motorrad“

Die Yamaha R1 ist inzwischen das älteste Motorrad im aktuellen Superbike-Feld. Seit ihrem Debüt 2016 konnte sie zwar in jeder Saison Podestplätze einfahren, doch die Konkurrenz hat sich weiterentwickelt. Locatelli beschreibt die R1 gegenüber Motosprint als grundsätzlich hervorragendes Motorrad, verweist aber gleichzeitig auf ihr Alter. Seiner Einschätzung nach könnte vor allem die grundlegende Motorkonzeption eine Rolle spielen. Der Charakter der R1 sei typisch für ein echtes Superbike: Beim Bremsen und Beschleunigen könne das Motorrad unruhig und nervös werden.
Damit erinnert Locatelli an die Superbikes früherer Jahre, als Motorräder noch deutlich weniger präzise und stabil wirkten. Als Beispiele nennt er unter anderem die Yamaha R1 von Ben Spies sowie frühere Ducati- und Honda-Modelle.

Ducati fährt der Konkurrenz davon

Besonders deutlich wird der Unterschied zur Ducati Panigale V4 R. Das italienische Superbike dominiert die Saison 2026 bislang nahezu nach Belieben. Von den bisherigen Siegen gingen sämtliche an Ducati, zudem sammelte der Hersteller 65 der bislang 72 möglichen Podestplätze.
Locatelli beschreibt die Ducati als extrem stabil und präzise. Sie liege regelrecht „wie ein Brett“ auf der Strecke. Genau diese Eigenschaften würden der Konkurrenz das Leben schwer machen.
Dabei betont der Yamaha-Pilot ausdrücklich, dass die Ducati-Fahrer nicht langsam seien. Würde man Ducati aus der Wertung herausnehmen, wäre die Superbike-WM seiner Meinung nach deutlich ausgeglichener. Dann könnten Bimota, BMW, Yamaha, Kawasaki und Honda je nach Strecke und Tagesform um die Siege kämpfen.
Für Yamaha sei der Rückstand auf Ducati derzeit allerdings schlicht zu groß.

Neue Regeln sollen das Kräfteverhältnis verändern

Die bisherigen Maßnahmen zur technischen Balance konnten die Ducati-Dominanz nicht entscheidend bremsen. Deshalb wird es ab 2027 zusätzliche Einschränkungen geben, darunter eine Begrenzung der maximalen Motordrehzahl. Auch ein geplanter Einheitssprit könnte die Leistungsunterschiede zwischen den Herstellern beeinflussen.
Locatelli sieht die bisherigen Maßnahmen allerdings kritisch. Regeln wie die Begrenzung des Kraftstoffdurchflusses hätten aus seiner Sicht nicht den gewünschten Effekt erzielt. Auch der Einsatz spezieller und teurer Kraftstoffe durch einige Teams spiele dabei eine Rolle.

Locatelli wünscht sich eine neue R1

Eine grundlegende Lösung wäre für Locatelli ein komplett neues Motorrad. Die Entscheidung darüber liegt allerdings bei Yamaha in Japan. Der Italiener glaubt, dass Yamaha durchaus bereit für einen solchen Schritt sein könnte. Ein neues Flaggschiff würde seiner Meinung nach dem Hersteller guttun – auch wenn die Entwicklung und Vermarktung eines neuen Superbikes wirtschaftlich nicht einfach wäre.
Für die Yamaha R1 könnte die Saison 2026 damit zu einem Wendepunkt werden. Nach rund zehn Jahren im internationalen Spitzensport stellt sich zunehmend die Frage, ob das bewährte Konzept noch konkurrenzfähig genug ist – oder ob Yamaha für die Zukunft ein komplett neues Superbike entwickeln muss.

Quelle:speedweek.com

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